Wo werden wir leben?

DIE NEUE BEDEUTUNG DER STÄDTE.

2008 war das Jahr, in dem zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit der Anteil der Stadtbewohner 50 % betrug. Und der Trend geht unaufhörlich weiter. Besonders schnell wachsen dabei die sogenannten Megacities, also Städte mit über zehn Millionen Einwohnern. Die Auswirkungen dieser Entwicklung sind bereits jetzt weltweit zu spüren. Auch in Deutschland.

Willkommen im Urban Millennium.

Es hat viele Gründe, warum die Städte als Wohn- und Lebensraum immer attraktiver werden. Und sie unterscheiden sich je nach Entwicklungsstand des Landes. Besonders rapide wachsen die Ballungsräume in den sogenannten Schwellenländern. Absolute Spitzenreiter im internationalen Vergleich: Schanghai und das Perlflussdelta, Delhi und Mumbai, Lagos und Luanda. Die indische Hauptstadt zum Beispiel soll in den nächsten 15 Jahren um weitere 11 Millionen auf dann 36 Millionen Einwohner expandieren, heißt es im Weltbevölkerungsbericht der UNO. Dieser weltweiten Verschiebung hat die UNO auch schon einen Namen gegeben: Sie spricht vom Urban Millennium.

Dass dieses Strömen in die Stadt nicht ohne Folgen bleibt, liegt auf der Hand. Knapper Wohnraum, überlastete Straßen und eine ausreichende Versorgung mit Wasser oder Strom sind nur ein paar der brennenden Themen, die auf die Bau- und Versorgungswirtschaft mit riesigen Schritten zukommen.

Milliarden
Menschen sollen 2050 in der Stadt leben

Bekannt und doch ganz neu: der Sog der Städte.

Aber was ist der Grund für diese Entwicklung? Denn neu ist der urbane Trend nicht. Seit über 150 Jahren zieht es die Menschen verstärkt in die Stadt. Aber die aktuelle Strahlkraft der Metropolen sprengt jede bislang bekannte Dimension. Und auch in Deutschland boomt die City. Ein wesentlicher Grund dafür: die steigende Lebenserwartung. Wir werden immer älter und bevorzugen für diesen Lebensabschnitt das vielfältige Angebot und die eng vernetzte Infrastruktur der Städte.

In der Zukunft: in die Höhe, in die Lücken.

Ob Berlin, München oder das Rhein-Main-Gebiet: Die Nachfrage nach Wohnraum wird immer größer. Klassischer Indikator dafür sind zum Teil atemberaubende Mieten und Grundstückspreise. Doch auch ein höherer Preis für ein Leben in der Stadt kann die Nachfrage nur bedingt steuern. Die einfache Wahrheit ist: Der Platz wird knapp. Über kurz oder lang werden wir uns neue Wohnkonzepte überlegen müssen, um das zukünftige städtische Leben neu zu gestalten. Das klassische Einfamilienhaus wird abgelöst durch flexible Modulbauten, die sich dem jeweiligen Nutzer und Bedarf immer wieder neu anpassen. Die ehemals verpönten Wohnhäuser in kritischen Randlagen geben uns die neue Richtung vor. In die Höhe bauen wird zum urbanen Motto und hat dabei mit den Sozialen-Brennpunkt-Gebäuden der Vergangenheit so gut wie nichts mehr gemein. Neue Technologien, leistungsstarke Verbundsysteme und innovative Wohn- und Nutzkonzepte machen es möglich.

Umnutzung, Aufstockung und Nachverdichtung wird immer mehr an Bedeutung gewinnen. Und kluge Ressourcennutzung wird Architektur und Städtebau nachhaltig verändern.

Quellen:
Bundeszentrale für politische Bildung
United Nations, Department of Economic and Social Affairs
www.ey.com

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